EEG-Marktscreening - Neuauflage 2018
Erneuerbare Energien - unbegrenzt erfolgreich ?

Biogas - das ungeliebte Kind der Energiewende ?

Heute werden fast 9.000 Anlagen in Deutschland betrieben, davon wurden alleine rd. 1.400 im Jahr 2011 in Betriebgenommen. Doch mit dem EEG 2014 hat der Gesetzgeber einschneidende Auswirkungen vollzogen: Der Markt fürden Neubau legte eine Vollbremsung hin. Ist Biogas also das ungeliebte Kind der Energiewende ?

Bioenergie trug in den letzten Jahren bereits einen beachtlichen Teil zur Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien bei. Nach Auskunft des BMWI lag der Anteil, bezogen auf den gesamten Bruttostromverbrauch, im Jahr 2014 bei 6,9%. Zusätzlich wurden mit Kraft-Wärme-Kopplung 17,5 TWh Wärme in den Bioenergieanlagen hergestellt.

Und Energie aus Biogasanlagen hat eine Eigenschaft, die sie von Windkraft und Solarenergie eindeutig differenziert: Sie ist unabhängig vom Wetter erzeugbar. Ganz gleich ob es Nacht ist oder windstill – die Biogasanlage kann rund um die Uhr produzieren. Daneben ist aufbereitetes Biogas als Biomethan sofort im Gasnetz speicherbar. Tatsächlich will man meinen, dass Biogasanlagen die dringend benötigten Eigenschaften aufweisen, um zum Gelingen der Energiewende beizutragen.

Der Gesetzgeber hat das mit dem EEG 2014 anders gesehen. Mit Sicht auf die ausufernden Kosten der EEG-Umlage wurde Anfang 2014 das EEG erneut novelliert. Mit Inkrafttreten am 01.08.2014 wurde die Vergütungsstruktur für Anlagenbetreiber sowohl verschlankt als auch das Förderniveau erheblich abgesenkt. Die gesonderte Vergütung von Biomasse sowie der Gasaufbereitungsbonus entfielen ersatzlos. Auch die Flexibilitätsprämie – als Instrument erst 2012 eingeführt – wurde für Neuanlagen nicht fortgeführt. Diese veränderten Marktbedingungen haben den Zubau von Biogasanlagen, mit Ausnahme von kleinen Gülleanlagen, fast vollständig zum Erliegen gebracht. Die Vollbremsung geht soweit, dass der politisch gewünschte Ausbaukorridor von 100 MW elektrischer Leistung per anno im Jahr 2014 deutlich verfehlt wurde. Gerade einmal 94 Biogasanlagen mit 40 MWeL kamen neu hinzu.

Grund genug also, die Biogasanlagenbetreiber im Rahmen des EEG-Marktscreenings 2015 zu ihrer Meinung zu befragen. Abgerundet wird dieses Bild durch Gastbeiträge von Marktexperten der BayWa r.e. sowie des Biogasanlagen-Herstellers agriKomp.


Datengrundlage und Zeitraum der Befragung

Im Zeitraum Juni bis August 2015 wurden 200 Biogas-Anlagenbetreiber in telefonischen Interviews befragt. Diese wurden paritätisch in zwei Subgruppen (bis 500 kWeL sowie bis 1 MWeL) segmentiert, um Unterschiede in den Ergebnissen nach wirtschaftlichen Größenclustern sichtbar
zu machen. Dort, wo es signifikante Unterscheidungen gab, haben wir im folgenden Verlauf beide Subgruppen getrennt beleuchtet, ansonsten alle 200 Biogas-Anlagen als eine Hauptgruppe ausgewertet. Ausgehend von einem Gesamtbestand von rd. 8.900 Biogasanlagen in Deutschland
stellen die folgenden Daten eine Stichprobe von ca. 2,25 Prozent des Marktes wieder.

Umfang der Befragung

Insgesamt wurden 29 Fragen gestellt. Diese lassen sich eingrenzen in die Aufnahme der Infrastrukturdaten, dem Status Quo der Vermarktung von Energie sowie den Zukunftsabsichten und Zukunftserwartungen, beispielsweise zum Repowering, dem Wechsel in die Direktvermarktung
oder dem Einstieg in den Regelenergiemarkt.


Infrastrukturdaten der Biogasbranche

Wir haben zunächst die grundlegenden Infrastrukturdaten und technischen Leistungsmerkmale der befragten Zielgruppe untersucht. Die Antworten auf die ersten drei Fragen bestätigen im Wesentlichen die bereits vorhandenen Marktdaten. So wird als Ergebnis der zurückliegenden Förderbedingungen in einem Großteil der Biogasanlagen eine Kombination aus nachwachsenden Rohstoffen und Gülle / Mist eingesetzt.
Eine Biogasanlage versorgt je nach Größencluster mehr als 2,1 angeschlossene Satelliten-BHKW. Diese BHKW sind mehrheitlich jünger als 8 Jahre und damit Ergebnis des Zubau-Booms der Jahre bis 2012. Herstellerseitig dominieren Elektro Hagl und Schnell Motoren insgesamt den
Markt der verbauten BHKW.


Wenig verwunderlich ist die erste Erkenntnis der Marktbefragung. In beiden Subgruppen werden mit weitem Abstand nachwachsende Rohstoffe in Kombination mit Gülle und Mist eingesetzt. Mehr als 53% der befragten Anlagenbetreiber antworten so. Etwas mehr als 40% der Befragten setzt alleine auf nachwachsende Rohstoffe. Den Rest teilen sich Bioabfälle und reine Gülleanlagen. Zwischen den beiden Subgruppen sind keine
wesentlichen Unterschiede erkennbar.