EEG-Marktscreening - Neuauflage 2018
Erneuerbare Energien - unbegrenzt erfolgreich ?

Vermarktungschancen von PV-Betreibern werden mehrheitlich nicht genutzt

Auch das Segment der PV-Betreiber ist von den Auswirkungen der Gesetzgebung im Bereich der Förderung der Erneuerbaren Energien betroffen. Für einige PV-Betreiber ist der Stromverkauf verpflichtend, für andere freiwillig. Entscheidet sich ein Anlagenbetreiber für den Stromverkauf über einen Direktvermarkter, gilt nicht mehr die Einspeisevergütung, sondern die Erlösobergrenze. Diese ist 0,4 Cent pro Kilowattstunde höher.

Allerdings fordert der Direktvermarkter für seine Dienstleistungen einen Anteil daran, so dass der Mehrgewinn für PV-Anlagenbetreiber häufig zwischen 0,25 und 0,32 Cent pro Kilowatt stunde liegt. Im Rahmen des EEG-Marktscreenings 2015 wurden rund 300 Betreiber von Dach- und Freiflächen zu Ihrem Status Quo der Stromvermarktung befragt – zum Teil mit überraschenden Ergebnissen.

Für die gewichtete Analyse der Befragungsergebnisse wurde zunächst untersucht, in welcher Größenordnung Photovoltaik-Erzeugungsanlagen je Interviewpartner betrieben werden. In der Masse wurden hier mit 87% Betreiber mit einer installierten Leistung zwischen 100 kWp und 5 MWp befragt.
Im nächsten Schritt wurden die Betreiber nach dem Alter ihrer installierten PV-Anlagen befragt. Die einfache Mehrheit von 58% der Anlagen ist dabei drei bis sechs Jahre alt. Nur ein kleinerer Anteil ist mit 12% jünger als drei Jahre, während 22% bereits sechs bis neun Jahre alt sind. Mit anderen Worten ist ein Großteil der Anlagen zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme mit der klassischen EEG-Einspeisung gestartet.

Anders bei sehr jungen Anlagen: Denn seit Inkrafttreten des EEG 2014 zum 1.8.2014 gilt für alle Neuanlagen eine verpflichtende Direktvermarktung, wenn die installierte Leistung der Anlage 500 kWp übersteigt. Seit dem 1.1.2016 werden zusätzlich auch Anlagen mit einer installierten Leistung ab 100 kWp zur Direktvermarktung verpflichtet (EEG 2014, §37). Aber: diese verpflichtende Direktvermarktung gilt nicht für Bestandsanlagen (EEG2014, §100, Absatz 1, Nr. 6). Gerade hier ergibt sich die interessante Fragestellung, inwieweit gerade Betreiber älterer Anlagen von der Einspeisung in die Direktvermarktung gewechselt sind und so von neuen Marktchancen profitieren wollen.

"Betreiber von Bestandsanlagen halten in der großen Mehrheit an der Einspeisevergütung fest"

Um es vorweg zu sagen: Die große Mehrheit von rund 84% der 293 befragten Anlagenbetreiber befinden sich nach eigenen Aussagen in der Einspeisevergütung. Nur 41 Betreiber (14%) gaben an, die Direktvermarktung als zusätzliche Erlösoption zu nutzen. Hier scheint also noch ein attraktives, zukünftiges Marktpotenzial für Direktvermarkter zu existieren, auch wenn der Markt eher kleinteilig ist und ggf. technische Herausforderungen vor der Anbindung zu lösen sind.
Bevor wir uns der Frage nach dem Status der Direktvermarktung innerhalb der Größen- und Alterssegmente widmen, beleuchten wir zunächst einen anderen Punkt: Nämlich der Frage, wie hoch die Wechselbereitschaft der Anlagenbetreiber ist.

"Betreiber sind Ihrem Direktvermarkter treu"

Alle diejenigen Betreiber, die bereits in der Direktvermarktung sind wurden zusätzlich befragt, ob sie bereits den Direktvermarkter ein- oder mehrmals gewechselt haben. Und auch hier ein überraschendes Ergebnis: Nur 12% der Unternehmen haben ihren Direktvermarkter in der Vergangenheit bereits mindestens einmal gewechselt. Mehrheitlich stehen die Betreiber also treu an der Seite ihrer Direktvermarkter.
Das kann zweierlei Gründe haben: entweder eine hohe Zufriedenheit mit dem Direktvermarkter oder ein Erstvertrag, dessen Mindestlaufzeit
noch anhält und daher zumindest derzeit keine Möglichkeit auf einen Wechsel besteht.