EEG-Marktscreening - Neuauflage 2018
Erneuerbare Energien - unbegrenzt erfolgreich ?

Es droht eine schleichende Re-Monopolisierung des Windenergie-Marktes






Ein Interview zum Thema Ausschreibungen mit
Hermann Albers, Präsident des Bundesverband WindEnergie e.V.


G.A.M.E.: Die Förderhöhe über Ausschreibungen zu ermitteln ist, aus Sicht des Bundesverband WindEnergie e. V. (BWE), ein Griff zum falschen Instrument. Herr Albers, Sie sagen die Ausschreibungen verschaffen Bietergruppen, die über Endkunden verfügen, einen strategischen Vorteil. Können Sie das erklären?

Herrmann Albers: Der Systemwechsel, den die Bundesregierung mit dem Ausschreibungsmodell einleitet, wird zu einer Phase der Unsicherheit führen, die für eine Branche mit 150.000 Beschäftigten sehr schwierig wird. Die Ziele der Bundesregierung (Erreichung der Ausbauziele, Kosteneffizienz und Sicherung der Akteursvielfalt) ließen sich über die im bestehenden EEG-System festgelegte Degression und die marktwirtschaftlichen Instrumente bestens erreichen.

Ausschreibungen werden insbesondere bei den jetzt angedachten geringen Mengen – es droht eine Drittelung des Marktes – jenen Akteuren in die Hand spielen, die sich nicht ausschließlich über Projekte finanzieren müssen. Wer über ein Endkundengeschäft verfügt und innerhalb des Unternehmens eine Gesamtkalkulation vornehmen kann, wird andere Preise anbieten können als ein Mittelständler oder ein Bürgerwindprojekt, wo die 3 oder 5 Windkraftanlagen sich als eigenständiges Projekt rechnen müssen.

"Ausschreibungen führen zu einer Re-Monopolisierung des Marktes"

Dies führt zu einer schleichenden Re-Monopolisierung des Marktes und steht der Akteursvielfalt deutlich entgegen. Darauf weisen wir die Bundesregierung hin. 

G.A.M.E.: In der EEG Novelle 2016 werden von der Europäischen Kommission über ausdrücklich zugelassene Ausnahmen von Ausschreibungen für Projekte mit bis zu 18 MW installierter Leistung  gesprochen. Wie sehen Sie diese Ausnahme für die Akteure im Markt?

Herrmann Albers: Die Klarstellung durch die EU-Kommission mitten in einem laufenden Gesetzgebungsprozess in Deutschland war für uns sehr wichtig. Wir erwarten, dass die Bundesregierung diese Möglichkeit voll nutzt. Bislang sehen wir dazu keine Bereitschaft.

"Das Bundeswirtschaftsministerium betreibt Augenwischerei."

Das Bundeswirtschaftsministerium betreibt mit ein paar kosmetischen Regelungen Augenwischerei. Bürgerprojekte, die die Energiewende in vielen Regionen überhaupt erst möglich gemacht haben und die bis heute die Grundlage für die Akzeptanz bilden, sind offenbar nicht wirklich gewollt. Dies enttäuscht uns sehr.  

G.A.M.E.: Unser Studienergebnis zeigt, dass im Bereich Repowering noch erhebliches Vertriebspotential für Hersteller steckt. Wo sehen Sie weitere Möglichkeiten in der Windenergie-Branche, Geld zu verdienen?

Herrmann Albers:: Wir sehen bereits 2015 das Repowering zwar mit großen Erwartungen verbunden ist, aber deutlich stagniert. Nur noch 253 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 195 MW wurden abgebaut und ersetzt. Das waren 46 Prozent weniger als 2014, als es noch einen Anreiz gab, alte Anlagen durch leistungsfähige und systemdienliche Anlagen zu ersetzen. Der sogenannte Repowering-Bonus wurde jedoch gestrichen bevor er richtig Wirkung entfalten konnte. Hinzu kommt, dass bereits heute jedes Repowering-Projekt ein neues Genehmigungsverfahren durchlaufen muss. Dabei zeigt sich, dass die Fläche und damit die Wirtschaftlichkeit wegen neuer Abstandsreglungen und Natur- wie Artenschutzauflagen sich immer mehr reduziert und Projekte so nicht umgesetzt werden.

G.A.M.E.: Ein Statement des BWE ist „Stadtwerke und Energiewende gehören zusammen“. Gibt es eine Zukunft für Stadtwerke, die sich vor dem regenerativen Geschäft verschließen?

Herrmann Albers: Viele Stadtwerke sind bereits über die Technologien hinweg in Erneuerbaren Energien engagiert und haben früh die Chancen der Energiewende erkannt. Vielleicht sind auch deshalb bereits knapp 40 Stadtwerke im Bundesverband WindEnergie aktiv. Die Nähe zum Endkunden, ein großes Potenzial bei Wärme und Mobilität sowie erste Erfahrungen mit der Digitalisierung bringen Stadtwerke in der dezentralen erneuerbaren Energiewirtschaft in eine Schlüsselrolle.

Stadtwerke die weiter an einem fossilen Kraftwerkspark festhalten oder die Digitalisierung verschlafen, werden es künftig sehr schwer haben.

G.A.M.E.: Vielen Dank für das Interview, Herr Albers.

  

Aktuelles vom Bundesverband WindEnergie e.V. unter

www.wind-energie.de