EEG-Marktscreening - Neuauflage 2018
Erneuerbare Energien - unbegrenzt erfolgreich ?

Mit bestehendem EEG 2014 wird es keinen Fortbestand der Biogasbranche geben – es muss etwas passieren








Horst Seide, Präsident des Fachverband Biogas e.V.,
im Interview


G.A.M.E.: Herr Seide, aus dem Wind- und Photovoltaiksektor erfährt man starken Gegenwind, wenn es um den im EEG 2016 geplanten Wechsel zu Ausschreibungen geht. Überraschenderweise setzen sich die Bioenergie-Verbände genau dafür ein: Sie wollen Ausschreibungen für Bioenergieanlagen. Was steckt dahinter?

Horst Seide: Wir wollen Ausschreibungen, weil wir momentan keine andere Chance sehen, die Biogasbranche zu erhalten. Die Signale aus Berlin sind unmissverständlich: die Erneuerbaren Energien laufen in Zukunft über Ausschreibungen.

"Wir müssen uns den Tatsachen stellen."

Und weil es ja nichts bringt, sich wie ein bockiges Kind in den Sandkasten zu setzen und zu schreien „ich will das aber nicht“ haben wir uns den Tatsachen gestellt und beteiligen uns an der Ausgestaltung der Ausschreibungen.

G.A.M.E.: Ist das der Konsens aus der Bioenergie-Branche oder gibt es auch konträre Meinungen in diesem Umfeld?

Horst Seide: Es herrscht innerhalb der Bioenergiebranche ein großer Konsens diesbezüglich, wir haben uns mit nahezu allen Bioenergie-Verbänden und dem Deutschen Bauernverband hierzu einheitlich positioniert. Es gibt allerdings natürlich auch ein paar Betreiber, die sich angesichts der Unsicherheiten, die Ausschreibungen mit sich bringen, Sorgen machen und daher beharrlich am Nein zu Ausschreibungen festhalten. Das schwächt unsere Position in Berlin. Daher sind wir in intensiven Gesprächen, um mit einer noch lauteren Stimme sprechen zu können.

G.A.M.E.: Das Wirtschaftsministerium will einen „ambitionierten Höchstpreis“ bei den Auktionen festlegen. Sind Sie der Meinung, dass sich die Bedingungen für Bioenergie tatsächlich verbessern würden?

Horst Seide: Das wichtigste Argument für die Ausschreibungen aus Sicht des Wirtschaftsministeriums ist die wettbewerbliche Ermittlung der Fördersätze. Das ist noch wichtiger als die tatsächliche Höhe. Auch wir plädieren zudem für „ambitionierte Ziele“, solange sie zumindest „erreichbar“ sind. Dass dies mit den im EEG 2014 festgelegten Vergütungssätzen nicht möglich ist hat der nahezu brachliegende Zubau ja bewiesen.

G.A.M.E.: Sie wünschen, dass bestehende Anlagen gleichberechtigt mit neuen um die Förderung konkurrieren. Warum sollten Bestandsanlagen auch nach Auslaufen der 20-jährigen EEG-Vergütung weiter gefördert werden?

Horst Seide: Wir haben einen hervorragend funktionierenden Anlagenpark in Deutschland, der aus rund 9.000 Biogasanlagen im gesamten Bundesgebiet besteht. Diese Anlagen laufen gut und produzieren klimafreundlich Strom und Wärme. Die Betreiber dieser Anlagen blicken auf jahrelange Erfahrungen zurück.

"Es wäre irrsinnig, dass vorhandene Potential nicht zu nutzen."

Es wäre doch irrsinnig, dieses Potenzial nicht weiter zu nutzen. Vor allem da wir im künftigen erneuerbaren Strommix Biogas als flexible Energiequelle dringend benötigen. Zudem können Bestandsanlagen häufig den Strom günstiger anbieten, etwa da die Investitionen in die Fermenter und BHKW-Häuschen in der Regel bereits abgeschrieben sind oder weil zusätzliche Einnahmen außerhalb des EEG realisiert werden konnten.

G.A.M.E.: Herr Seide, nehmen wir an, dass gar nichts geschieht und alles so weitergeht wie bisher. Was bedeutet das für die Bioenergie-Branche?

Horst Seide: Mit dem bestehenden EEG 2014 wird es keinen Fortbestand der Biogasbranche geben. Im letzten Jahr sind gerade mal 19 MW neu ans Netz gegangen.

"Mit bestehendem EEG 2014 wird es keine Biogasbranche geben."

Die Rahmenbedingungen für Biogasanlagen müssen nachgebessert werden – und vor allem brauchen wir dringend Perspektiven für die bestehenden Anlagen. Bei denen stehen jetzt Investitionsentscheidungen an und damit die Frage, ob die Anlagen weiter laufen können oder in den nächsten Jahren vom Netz gehen. Das hieße Rückbau, das wäre das Ende der Biogasnutzung in Deutschland – und ein mehr als schlechtes Signal vom „Mutterland der Biogasnutzung“ in den Rest der Welt, in der Biogas gerade einen Auftrieb erlebt.

G.A.M.E.: Vielen Dank für das Interview, Herr Seide.

              

Aktuelles vom Fachverband Biogas e.V. unter

www.biogas.org