EEG-Marktscreening - Neuauflage 2018
Erneuerbare Energien - unbegrenzt erfolgreich ?

300 Millionen Euro Repowering-Potential suchen jährlich einen neuen Hersteller

In letzter Zeit beschäftigen sich immer mehr Untersuchungen mit der Frage, ob Windenergie an Land für Investoren überhaupt ein einträgliches Geschäft darstellt. So hat der Kasseler Steuerberater Werner Daldorf in einer Auswertung von 1.620 Windpark - Jahresabschlüssen der Jahre2000 bis 2013 die ursprünglichen Planungsangaben mit den tatsächlich erzielten Erlösen verglichen.(vgl. Daldorf, W.: Faktencheck Windenergie in Hessen, 2015)

Im Ergebnis erreichten die analysierten Parks nur 86% der prospektierten Umsätze. Noch eindrucksvoller: Nur jeder achte Windpark erreichte die geplanten Erlöse überhaupt vollständig.



Ein solches Ergebnis mag ein Grund dafür sein, dass von 201 im Rahmen des EEG-Marktscreenings 2015 befragten Betreibern von Windenergieparks nur 29% über ein Repowering innerhalb der nächsten 3 Jahre nachdenken. Umso bemerkenswerter, dass 49% der betreffenden Windparks 15 Jahre und älter sind und damit das Thema Repowering eigentlich ganz weit oben auf der strategischen Agenda stehen sollte. 

Besonders für Hersteller ist hingegen eine ganz andere Kennzahl interessant: 20% der befragten Betreiber mit kurz- bis mittelfristigen Repoweringambitionen gaben an, den Hersteller wechseln zu wollen. Gemessen am Gesamtmarkt von 1,5 Milliarden Euro für Repowering entspricht dies einem Vertriebspotenzial von 300 Millionen Euro. Ein guter Grund also, auf der einen Seite seine Kunden
im Blick zu haben als auch potenzielles Neugeschäft aufmerksam zu beobachten.



Wie zufrieden sind Betreiber mit ihrem Windpark? Eine gute Kennzahl ist die Bereitschaft, erneut in dieses Geschäftsmodell zu investieren. Unter 201 befragten Betreibern von Windparks des Segmentes Bürgerwindpark geben nur 58 an, sich innerhalb der nächsten 36 Monate mit dem Thema Repowering zu befassen.


Gut, möchte man meinen, wenn der vorhandene Park noch sehr jung ist, dann spricht auch vieles dafür, solche Planungen erst weiter in der Zukunft vorzunehmen. Allerdings sind 49% der Windparks der Befragungsteilnehmer bereits 15 Jahre oder älter. Mit 17% bzw. 35 Befragten ist der Windpark sogar bereits über die 20 Jahre hinaus in Betrieb (Inbetriebnahme zwischen 1991 und 1995).




Im Anschluss haben wir gefragt, ob der Betreiber für den Fall des Repowerings dem bisherigen Hersteller die Treue halten würde. Und tatsächlich sehen knapp 60% keinen Grund, mit fliegenden Fahnen den gegenwärtigen Systempartner zu wechseln. Aber 20% werden einen
Wettbewerber bevorzugen. Besonders diese Kennzahl ist für den Markt des Repowerings für Windenergie an Land von entscheidender Bedeutung: Denn es heißt nicht mehr und nicht weniger, als dass ein Markt von jährlich geschätzten 1,5 Milliarden Euro Umsatz zu einem
Fünftel neu verteilt wird. Also ein Investitionsbudget von rund 300 Millionen Euro, das Hersteller entweder verlieren oder neu hinzugewinnen. Keine Angabe zu ihrer Herstellertreue wollten 22% der befragten Betreiber machen. Auch hier ist zumindest zu vermuten, dass in diesem Anteil ein nicht unerhebliches Wechselpotenzial schlummert.